In einem gesunden Körper sorgen homöostatische Mechanismen in entsprechenden anatomischen Regionen im Allgemeinen für eine ähnliche Wärmeabstrahlung. Unter normalen Bedingungen ist daher zu erwarten, dass die Hauttemperaturen auf beiden Körperseiten gleich oder sehr ähnlich sind. Eine Analyse thermischer Asymmetrien kann unerwartete Unterschiede zwischen den rechten und linken Muskelgruppen einer Person sichtbar machen. Ein großer Temperaturunterschied darf jedoch nicht allein als Verletzungsdiagnose verwendet werden. Dominanz, Trainingsbelastung, frühere Verletzungen, Durchblutung und die Aktivität des autonomen Nervensystems können dasselbe Wärmebild beeinflussen. Thermische Asymmetrien sollten deshalb von Fachpersonen im Zusammenhang mit der Vorgeschichte und Anatomie des Athleten interpretiert werden.
Mit einer einzelnen thermischen Analyse von ai4sports können Asymmetriewerte von mehr als 40 Muskelgruppen in weniger als 15 Sekunden bewertet werden. Bei einer thermischen Asymmetrie darf die Risikoregion nicht automatisch mit der wärmeren Seite gleichgesetzt werden; die wärmere Muskelregion ist nicht immer der primäre Problembereich.

Warum haben die rechte und die linke Seite normalerweise ähnliche Temperaturen?
Der menschliche Körper ist geometrisch nicht vollkommen symmetrisch. Dennoch werden entsprechende anatomische Regionen auf der rechten und linken Seite von ähnlichen Kreislauf-, Stoffwechsel- und Thermoregulationsmechanismen beeinflusst. Unter gesunden Bedingungen sind daher auf beiden Seiten derselben Muskelgruppe ähnliche Hauttemperaturen zu erwarten.
Diese Eigenschaft ist ein wesentlicher Vorteil der Thermografie. Anstatt die rechte Hamstring-Region eines Athleten mit der Hamstring-Region eines anderen Athleten zu vergleichen, können die rechte und linke Hamstring-Region derselben Person miteinander verglichen werden. Dadurch lässt sich der Einfluss von Variablen wie Alter, Körperzusammensetzung, Gesamtstoffwechsel und individuellem Temperaturprofil reduzieren.
Uematsu und Kollegen untersuchten entsprechende anatomische Regionen bei gesunden Personen und zeigten, dass bilaterale Temperaturunterschiede im Allgemeinen gering waren [1]. Eine normative Studie von Niu und Kollegen in einer anderen Population bestätigte ebenfalls die Tendenz zur thermischen Rechts-Links-Symmetrie bei gesunden Personen [2].
Daher besteht die zentrale Messlogik einer einzelnen thermischen ai4sports-Analyse darin, den Temperaturunterschied zwischen der rechten und linken Seite derselben anatomischen Muskelregion zu bewerten.
Was zeigt eine thermische Asymmetrie?
Eine thermische Asymmetrie ist ein Signal dafür, dass zwei symmetrische anatomische Regionen nicht dasselbe physiologische Verhalten zeigen.
Für einen solchen Unterschied gibt es nicht nur eine einzige Erklärung. Veränderungen des lokalen Blutflusses, entzündliche Prozesse, Reaktionen des autonomen Nervensystems, die Nutzung der dominanten Seite, frühere Verletzungen oder Rehabilitationsprozesse können die Verteilung der Hauttemperatur verändern.
Ein thermografischer Unterschied sollte daher nicht direkt als „Dieser Muskel ist verletzt.“ interpretiert werden. Die passendere Frage lautet: „Warum verhalten sich diese beiden symmetrischen Regionen unterschiedlich?“
Aktuelle systematische Übersichtsarbeiten zur Thermografie im Fußball beschreiben die thermische Asymmetrie als eine der Variablen, die bei der Beurteilung von Verletzungsrisiko, Ermüdung und physiologischer Belastung verwendet werden. Gleichzeitig betonen diese Arbeiten, dass Messbedingungen und klinischer Kontext bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen [3].
Die Thermografie zeigt daher nicht den anatomischen Schaden selbst, sondern die physiologische Reaktion, die sich an der Körperoberfläche widerspiegelt.
Ist die wärmere Seite immer die Risikoseite?
Nein.
Einer der häufigsten Fehler bei der thermischen Analyse besteht darin, die wärmere Region bei einer Asymmetrie automatisch als problematisch anzusehen.
Eine höhere Temperatur kann mit erhöhtem lokalem Blutfluss, einer entzündlichen Reaktion oder stärkerer Muskelaktivität zusammenhängen. Klinisch relevant ist jedoch nicht immer die wärmere Region.
In einer Studie von Uematsu und Kollegen mit Patienten mit Kreuzschmerzen und Ischialgie war die betroffene untere Extremität im Vergleich zur Gegenseite signifikant kühler [4]. Diese Studie befasste sich nicht mit Sportverletzungen, ist jedoch für das Verständnis der grundlegenden thermischen Physiologie wichtig: Eine thermische Störung zeigt sich nicht ausschließlich als Temperaturanstieg.
Auch bei Athleten kann sich die Lastverteilung verändern. Ein Athlet kann eine empfindliche oder früher verletzte Region unbewusst weniger einsetzen. In diesem Fall können Muskelgruppen auf der Gegenseite mehr Belastung übernehmen.
Daher ist die wärmere Seite im Wärmebild nicht immer der primäre Problembereich. Das Bild kann auch das Ergebnis einer Kompensation zeigen.
Wie kann eine frühere Verletzung die thermische Verteilung verändern?
Frühere Verletzungen können das Bewegungsmuster eines Athleten verändern. Auch wenn die Schmerzen vollständig verschwunden sind, können Muskelgebrauch, Gelenkbewegung oder Lastverteilung vom Zustand vor der Verletzung abweichen.
Eine Studie von Bayrak, Çevik und Ceylan verglich U19-Fußballer mit einer Vorgeschichte von Sprunggelenksverletzungen mit Spielern ohne Verletzungsvorgeschichte. Untersucht wurden nicht nur der Knöchelbereich, sondern auch Patellarsehne, Tibialis anterior sowie mediale und laterale Wadenregionen [5].
Bei Spielern mit Verletzungsvorgeschichte waren die thermischen Veränderungen nicht auf die ursprüngliche Verletzungsstelle beschränkt. Veränderungen der Asymmetrie wurden auch in anderen Regionen der unteren Extremität beobachtet.
Nach einem Sprunggelenkproblem kann ein Athlet die Belastung anders verteilen. Thermische Veränderungen können deshalb nicht nur am Sprunggelenk, sondern auch in patellaren oder Wadenregionen auftreten, die die Belastung mittragen.
Bei einer einzelnen thermischen Analyse sollte der Fokus daher nicht nur auf dem heißesten oder scheinbar risikoreichsten Punkt liegen; auch die Verteilung entlang der gesamten kinetischen Kette sollte berücksichtigt werden.
Kann die Nutzung der dominanten Seite eine Asymmetrie erzeugen?
Ja. In Sportarten mit stark einseitigen Techniken kann die dominante Seite natürlicherweise anders belastet werden.
Bogenschießen ist ein deutliches Beispiel. In einer Studie mit 30 Bogenschützen von Sanchis-Sanchis und Kollegen nahm die thermische Asymmetrie nach einem simulierten Wettkampf im oberen Rücken, an der hinteren Schulter, am Arm und am Ellenbogen zu. In einigen Regionen war die Temperatur auf der Bogenseite höher [6].
Eine weitere Studie bei Padel-Spielern berichtete nach dem Training Temperaturanstiege am Unterarm, an der Schulter und am Arm der dominanten Seite [7].
Diese Ergebnisse zeigen, dass einseitige Belastung sich in der thermischen Verteilung widerspiegeln kann. Daraus lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die dominante Seite immer wärmer sein muss.
Eine Studie an Radsportlern zeigte mechanische Unterschiede im Rechts-Links-Kurbelmoment, ohne dass eine entsprechend starke thermische Asymmetrie auftrat [8]. Auch eine künstlich erzeugte mechanische Asymmetrie bei Läufern führte nicht zu einer signifikanten thermischen Asymmetrie der Fußsohlentemperatur in derselben Richtung [9].
Die entscheidende Unterscheidung lautet daher: Mechanische Asymmetrie und thermische Asymmetrie sind nicht dasselbe.
Ein Wärmebild zeigt nicht nur, wie stark ein Muskel arbeitet, sondern auch die physiologischen Folgen dieser Belastung auf Durchblutung und Thermoregulation.
Studien, die dominanzbedingte thermische Asymmetrien berichten, bewerten in der Regel Bilder nach Wettkampf oder Training. Ebenso sollte berücksichtigt werden, dass sich die normale Thermoregulation nach einer angemessenen Erholungsphase wieder einstellen sollte.
Warum kann dieselbe Verletzung bei verschiedenen Athleten thermisch unterschiedlich aussehen?
Weil nicht alle Athleten auf dieselbe Belastung mit derselben physiologischen Reaktion antworten.
Bayrak, Ergene und Ceylan untersuchten zwei Elitefußballer, die nach einer proximalen Rectus-femoris-Verletzung in den Sport zurückkehrten. Beide waren ähnlichen Trainingsbelastungen ausgesetzt, zeigten jedoch unterschiedliche thermische Reaktionen [10].
Der Athlet, der nach einer operativen Behandlung zurückkehrte, zeigte eine stärkere Veränderung des Rechts-Links-Temperaturunterschieds und erlitt innerhalb der folgenden zwei Wochen eine erneute Verletzung in derselben Region.
Da der Bericht nur zwei Fälle umfasste, kann daraus nicht geschlossen werden, dass die Thermografie die erneute Verletzung vorhergesagt hat. Er zeigt jedoch einen wichtigen Punkt: Dieselbe Diagnose, dieselbe Trainingsbelastung und ein ähnlicher Zeitraum bis zur Rückkehr in den Sport bedeuten nicht zwangsläufig dieselbe thermische Reaktion.
Die Kenntnis der Verletzungsvorgeschichte des Athleten ist daher ein wichtiger Bestandteil der Interpretation einer einzelnen thermischen Analyse.
Bedeutet thermische Symmetrie, dass keine Verletzung vorliegt?
Diese Frage lässt sich nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten. Thermografie sollte als ergänzender Risikoindikator und nicht als diagnostischer Test verstanden werden. Die thermische Bildgebung misst die von der Hautoberfläche abgegebene Wärme, während physiologische Prozesse in tieferen Muskelgruppen oder Bandstrukturen möglicherweise nicht direkt an der Hautoberfläche sichtbar werden.
Ein ähnliches Erscheinungsbild auf der rechten und linken Seite beweist daher nicht, dass der Athlet verletzungsfrei ist.
Ein Fallbericht zum Sartorius-Muskel von Bayrak, Ergene und Ceylan liefert hierfür ein gutes Beispiel. Bei der ersten thermischen Aufnahme eines Profifußballers in Ruhe zeigte sich keine deutliche Asymmetrie. Nach kontrollierter Belastung wurde jedoch ein thermischer Unterschied in der Sartorius-Region sichtbar. Die anatomische Verletzung wurde anschließend mittels MRT bestätigt [11].
Dieser Fall verdeutlicht eine Grenze der Thermografie. Normale thermische Symmetrie ist kein Test, der eine Verletzung ausschließt. Ebenso bestätigt eine hohe thermische Asymmetrie allein keine Verletzung.
Zwischen diesen beiden Extremen liefert die Thermografie Daten zur Entscheidungsunterstützung und kann Regionen markieren, die genauer untersucht werden sollten.
Wie sollte ein einzelner Rechts-Links-Unterschied gelesen werden?
Wenn mit ai4sports ein einzelnes Wärmebild analysiert wird, werden die bilateralen Temperaturunterschiede von mehr als 40 Muskeln und anatomischen Regionen automatisch berechnet.
Der Bericht sollte jedoch nicht ausschließlich anhand seiner Risikofarben interpretiert werden. Zunächst sollten folgende Fragen berücksichtigt werden:
- In welcher anatomischen Region besteht ein Rechts-Links-Unterschied?
- In welche Richtung verläuft der Temperaturunterschied?
- Gab es in dieser Region bereits eine frühere Verletzung?
- Welche Seite ist dominant?
- Führt die Sportart natürlicherweise zu asymmetrischer Belastung?
- Befindet sich der Athlet in Rehabilitation oder im Return-to-Play-Prozess?
- Zeigen benachbarte Muskelgruppen eine ähnliche Verteilung?
- Bestehen Schmerzen, Druckempfindlichkeit oder Bewegungseinschränkungen?
Ebenso wichtig ist es, thermische Asymmetrie nicht mit Kraftasymmetrie gleichzusetzen. In einer Studie an gesunden Fußballspielern waren thermische Asymmetrien bei einem erheblichen Anteil der Athleten vorhanden, diese Unterschiede standen jedoch nicht in direktem Zusammenhang mit muskulären Kraftungleichgewichten [12].
Die thermische Analyse beweist daher für sich allein keine bestimmte mechanische oder anatomische Ursache. Ihr Hauptwert liegt darin, zu zeigen, welche Muskelregion genauer untersucht werden sollte und warum sie sich anders verhält.
Fazit: Thermische Asymmetrie ist ein Ausgangspunkt, keine endgültige Antwort
Ähnliche Temperaturen in rechten und linken Muskelgruppen sind ein grundlegendes Merkmal der menschlichen Thermoregulation. Eine Störung dieser Symmetrie zeigt, dass sich beide Seiten physiologisch nicht gleich verhalten.
Für diesen Unterschied gibt es keine einzelne Ursache. Eine wärmere Seite kann lokale Belastung oder eine entzündliche Reaktion widerspiegeln. Eine kühlere Seite kann mit Durchblutungs- oder autonomen Veränderungen verbunden sein. Eine intensive Nutzung der dominanten Seite kann natürliche Unterschiede erzeugen. Eine frühere Verletzung kann außerdem dazu führen, dass der Athlet die Belastung auf die Gegenseite oder benachbarte Muskelgruppen verlagert.
Das Ziel einer einzelnen thermischen ai4sports-Analyse besteht daher nicht darin, die Frage „Welche Seite ist wärmer?“ zu beantworten. Die wichtigere Frage lautet: „Warum verhalten sich diese beiden symmetrischen Muskelregionen unterschiedlich?“
Das Wärmebild zeigt, wo diese Untersuchung beginnen sollte. Die Antwort sollte durch eine medizinische Fachperson unter Einbeziehung der Vorgeschichte, körperlichen Untersuchung, Leistungsdaten und bei Bedarf weiterer Bildgebungsmethoden wie MRT oder Ultraschall vervollständigt werden.
Quellen
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- Niu, H. H., Lui, P. W., Hu, J. S., Ting, C. K., Yin, Y. C., Lo, Y. L., Liu, L., & Lee, T. Y. (2001). Thermal symmetry of skin temperature: Normative data of normal subjects in Taiwan. Zhonghua Yi Xue Za Zhi (Taipei), 64(8), 459–468.
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- Uematsu, S., Jankel, W. R., Edwin, D. H., Kim, W., Kozikowski, J., Rosenbaum, A., & Long, D. M. (1988). Quantification of thermal asymmetry. Part 2: Application in low-back pain and sciatica. Journal of Neurosurgery, 69(4), 556–561. https://doi.org/10.3171/jns.1988.69.4.0556
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- Trecroci, A., Formenti, D., Ludwig, N., Gargano, M., Bosio, A., Rampinini, E., & Alberti, G. (2018). Bilateral asymmetry of skin temperature is not related to bilateral asymmetry of crank torque during an incremental cycling exercise to exhaustion. PeerJ, 6, e4438. https://doi.org/10.7717/peerj.4438
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